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    20.01.2017

    Integration: Hausaufgaben für alle

    Hierher Geflüchtete suchen Schutz vor Krieg, Terror und Verfolgung. Sie möchten sich in Schleswig-Holstein ein sicheres Leben aufbauen, an der Gesellschaft teilhaben und einen eigenen Beitrag zum guten Zusammenleben leisten. Besonders eine gelungene Arbeitsmarktintegration, die zudem auch von Gesellschaft und Politik gefordert wird, haben sie im Blick. Hürden bestehen indes in der Rechts- und Verordnungslage und sind für Flüchtlinge ohne Unterstützung kaum zu überwinden.

    Auf der Fachtagung "Aspekte der gelungenen Integration" sind das Netzwerk "Mehr Land in Sicht! - Arbeit für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein" und das Regionale Berufsbildungszentrum Wirtschaft der Landeshauptstadt Kiel zusammen mit über 200 TagungsteilnehmerInnen der Frage nachgegangen: Wie kann die Integration von AsylbewerberInnen und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gelingen?

    "Im Jahr 2016 war in Schleswig-Holstein insbesondere im Handwerk ein zunehmender Bedarf an Fachkräften spürbar", sagte Christian Maack, Geschäftsführer Recht und Berufsbildung der Handwerkskammer Lübeck. Im Zuge dessen konnten das Netzwerk "Mehr Land in Sicht!" und seine Teilprojekte eine zentrale Vermittlungsfunktion übernehmen. Dass die Integration von Flüchtlingen jedoch über die reine Platzierung in Ausbildung und Arbeit hinausgehen muss, wurde auf der Fachtagung immer wieder betont. "Um nachhaltige Integration zu gewährleisten, so Maack, "stehen wir gemeinsam mit den anderen Teilprojekten Betrieben und Flüchtlingen auch während der Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse tatkräftig zur Seite." Es gehe darum, in fachlichen, persönlichen und sozialen Angelegenheiten zu helfen und so einen Beitrag zu leisten, um die Integration von Geflüchteten zu verbessern und gleichzeitig zukünftige Fachkräfte für Betriebe zu gewinnen.

    Netzwerkkoordination Özlem Erdem-Wulff betonte, dass gute Vermittlungszahlen dann erreicht würden, wenn an den KlientInnen orientiert individuell und ganzheitlich beraten werde. Auch eine enge Zusammenarbeit aller KooperationspartnerInnen könne "Mehr Land in Sicht!" aufgrund seiner dezentralen Struktur besonders gut leisten.

    Das Beratungs-Plansoll wurde seit Projektbeginn Mitte 2015 schon erheblich übererfüllt. Allerdings besteht, u. a. bei der Erteilung von Arbeitserlaubnissen, aber auch beim Sprachkursen weiterhin Verbesserungsbedarf. "Wir können mit dem Projekt 'Mehr Land in Sicht!' zwar Betrieben und Flüchtlingen helfen, bürokratische Hürden zu überwinden - wir können aber keine Bürokratie abbauen", so Erdem-Wulff.

    Von den Trägern wurde auf der Fachtagung das übergeordnete humanitäre Ziel thematisiert, das das Netzwerk von Beginn an verfolgt. Vor dem Hintergrund der steigenden Zahlen von Flüchtlingen, die arbeiten möchten, appellierte der geschäftsführende Vorstand des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, Günter Ernst-Basten: "Wir müssen unsere Anstrengungen auf allen Ebenen intensivieren und sie der Zahl der Flüchtlinge realistisch anpassen." Hier hätten alle Beteiligten noch Hausaufgaben zu machen. Martin Link vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e. V. betonte, es gehe 'Mehr Land in Sicht!' um die Förderung von Chancengerechtigkeit in der Gesellschaft und darum, über die Unterstützung von Integration Bleiberecht für Neubürger zu sichern. "Das höchst erfolgreich arbeitende Netzwerk 'Mehr Land in Sicht!' ist", so bedauerte Link, "aber leider nicht ausreichend finanziert, um eine landesweit flächendeckende Versorgung zu gewährleisten." Link appellierte daher an die Landesregierung, sich das Konzept zum Vorbild zu nehmen und ein korrespondierendes Landesförderprogramm aufzulegen.

    VertreterInnen der relevanten Ministerien Arbeit, Bildung und Inneres, darunter der Integrationsbevollmächtigte der Landesregierung, nahmen neben dem Zuwanderungsbeauftragten des Landtags an der Fachtagung teil. TagungsteilnehmerInnen kamen daneben auch aus jüngeren Projekten zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, wie sie mittlerweile vom Land Schleswig-Holstein sowie von Agenturen und Jobcentern gefördert werden. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen in der Flüchtlingsintegration nehmen die am Netzwerk "Mehr Land in Sicht!" Beteiligten eine Vorreiterrolle in diesem Bereich ein und konnten wichtiges Know-How vermitteln.

     

    Veranstaltungsflyer

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