Leuchtturm des Nordens 2025
Am Internationalen Tag der Menschenrechte 2025 hat der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein den Leuchtturm des Nordens an Sharifa Sahad und Marie-Louise Petersen-Scharff verliehen.
Der Leuchtturm des Nordens wird seit 2005 jährlich am 10. Dezember, dem Internationalen Menschenrechtstag, an Personen oder Gruppen verliehen, die sich in beispielhafter Weise für die Aufnahme und das Bleiberecht von Geflüchteten und gegen Rassismus und Diskriminierung engagieren. Dieses Engagement steht heutzutage unter besonderem Druck und ist deswegen umso wichtiger. Die Veranstaltung zur Preisverleihung fand am 10. Dezember 2025 online statt.
Unter anderem mit der Verabschiedung der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems zeigt sich, dass sich die Migrationspolitik hemmungslos verschärft, während rassistische Narrative sich in breiten Teilen der Gesellschaft verbreiten.
„Im Bereich Flucht und Migration werden die Menschenrechte derzeit mit geradezu juristischer Akrobatik umgangen.“ kritisierte Leonie Melk, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein und nannte die Fiktion der Nichteinreise als ein Beispiel, mit dem Menschen ihre Rechte vorenthalten werden. Solche Konstrukte, die Rechtsstaatlichkeit und Menschenrecht umgehen sowie die politische Weltlage lässt viele ohnmächtig und überfordert zurück. In diesen Zeiten, braucht es Orientierung, Sichtbarkeit, Standhaftigkeit, Zusammenhalt und solidarisches Engagement.
Denn der solidarische Einsatz für die Rechte von Geflüchteten ist auch ein Kampf für die Einhaltung der Menschenrechte, die heute gewürdigt werden. Die Menschenrechte sollen alle Menschen vor willkürlicher Gewalt durch Staaten bzw. durch staatliches Handeln schützen. Heutzutage werden Sie trotz ihres universellen Anspruchs auch in Deutschland wieder vermehrt in Frage gestellt. Während Geflüchtete an den Außengrenzen zurückgedrängt und eingesperrt werden, oder als Dublin-Fälle auch in Deutschland auf die Straße gesetzt und ausgehungert werden, scheint es immer öfter als gelten die Menschenrechte nur für Staatsbürger*innen. Was kann man also gegen diese beispielslose Diskurs- und Politikverschärfung gegenüber Geflüchteten tun?
Im Gespräch mit der Journalistin und Autorin Gilda Sahebi diskutierten die Teilnehmenden über die Politik der Spaltung, die Polarisierung der Gesellschaft und Chancen und Möglichkeiten von und für Engagement, Zuversicht und Verbundenheit. Es wird klar, dass während die nationale und supranationale Ebene sich mit Rechtsverschärfungen überbieten, und ergänzen, die lokale Ebene einmal mehr ein Leuchtturm für die Menschenrechte sein kann und zeigt wie solidarisches Miteinander und gerechte Beteiligung funktioniert.
Denn wie Andrea Dallek, Vorsitzende des FÖRDErvereins Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V. deutlich machte: „Wir alle – und nicht nur der Staat – tragen eine Verantwortung dafür, dass die Menschenrechte geachtet werden. Sie sind eine wichtige Grundlage für ein friedliches und solidarisches Zusammenleben. Wir können sie als Kompass in unseren Grundwerten nutzen. Mit der Klarheit, welche Werte wir vertreten, wird es leichter, die Grenzen und roten Linien für uns selbst und für unsere Gesellschaft zu definieren.“
Der diesjährige Leuchtturm des Nordens ehrt zwei migrantische Schwarze Frauen, die mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit auf der lokalen Ebene Zusammenhalt und Fürsorge leben, sich politisch engagieren, nicht müde werden Gerechtigkeit und Beteiligung einzufordern und somit genau dies sind: Leuchttürme der Menschenrechte. Sie verleihen damit ihren communities eine starke Stimme und sind Role Models für Neuzugewanderte und junge Migrant*innen.
Marie-Louise Petersen-Scharff ist eine der bekanntesten Ehrenamtlichen im Bereich Migration und Flucht in Schleswig-Holstein. Sie setzt sich u.a. als Vorstand der Forums für Migrant*innen, Vorsitzende des afrodeutschen Verein sowie dem Verein Sisters - Frauen für Afrika für die afrikanischen communities in Schleswig-Holstein, die Rechte von Frauen mit Flucht und Migrationsgeschichte und gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Ihr tatkräftiges ehrenamtliches Engagement spiegelt ihr Verständnis von Menschenwürde wider „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Diesen Satz sollte jeder in seinem Gehirn verankern. Quasi als Elixier des Lebens!“ so Marie-Louise Petersen-Scharff bei der heutigen Preisverleihung.
Sharifa Sahad, die heute ebenfalls mit dem Leuchtturm des Nordens ausgezeichnet wurde, erklärte wie es ihr mit großer Beharrlichkeit gelang ihre Ausbildung gegen zahlreiche Widerstände abzuschließen und sie ihre Erfahrungen und Widerstandkraft jetzt an junge Frauen weitergeben kann. Sie leitet ehrenamtlich eine Gruppe, für junge Frauen und Mädchen, die mehrheitlich eine Migrationsgeschichte aus westafrikanischen Ländern haben. Sie ist eine wichtige Vertrauensperson und role model für die Teilnehmenden und unterstützt sie ihre schulischen und beruflichen Chancen in Deutschland wahrzunehmen.
Dieses Engagement für und mit Neuzugewanderten in Schleswig-Holstein ist besonders wichtig, denn diese leiden unter systematischem Rassismus, gesellschaftlicher Diskriminierung, Ausgrenzung, und mangelnder politischer Teilhabe. Fredrick Nedelmann, als Vertreter des Vorjahrespreisträgers der Besuchsgruppe Abschiebehaft Glücksstadt betonte in seiner Laudatio, was alle Preisträger*innen des Leuchtturm des Nordens gemein haben: „Der für uns wichtige Moment ist auch hier die Solidarität mit den Menschen, denen die Stimme genommen wird, die unter dem systematischen Rassismus dieser Gesellschaft zu leiden haben.“
Und wer sich angesichts tobender Kriege in der Ukraine, im Sudan, oder in Myanmar, einer zunehmenden weltweiten Aufrüstung, einer Abkehr vom Multilateralismus und einer Rückkehr des Rechts des Stärkeren, sowie einer immer weiter eskalierenden Abschottung Europas vor Schutzsuchenden bei gleichzeitiger Entrechtung im Inland fragt, wozu das alles gut sei, dem sei in Erinnerung gerufen, wofür wir kämpfen. Karl Neuwöhner, Vorstandsmitglied der Refugio Stiftung Schleswig-Holstein, fasst es zusammen:
„Ein Leuchtturm gibt beharrlich Orientierung. Und ich finde, so ist das auch mit dem „Leuchtturm des Nordens“ und den Preisträger*innen. Sie leuchten dafür, dass die Menschenrechte für alle Menschen gelten: Für Menschen auf der gefährlichen Flucht über das Mittelmeer; für Geflüchtete, die jahrelang auf ihre Familien warten; für Verfolgte, die Schutz suchen und ohne Anhörung abgewiesen werden; für Familien und Kinder, die bis zur Abschiebung inhaftiert werden; für Syrerinnen und Syrer, die neuerdings Angst vor einer Abschiebung haben müssen; für Menschen aus Afghanistan, denen Deutschland eine Aufnahme zugesagt hatte. Wir wollen eine Gesellschaft sein, die Schutzsuchende aufnimmt und schützt. Darum geht es. Um mehr nicht und auch nicht um weniger!“
Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein bedankt sich herzlich bei den engagierten Preisträgerinnen sowie allen ehrenamtlich Engagierten im Bereich der Geflüchtetensolidarität in Schleswig-Holstein und darüber hinaus.
Wie jedes Jahr ist der Leuchtturm des Nordens mit einem Preisgeld von 500 € dotiert, dieses wurde vom FÖRDErverein Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V. und der Refugio Stiftung e.V. gestiftet. Die Skulpturen des Leuchtturms des Nordens wurde einmal mehr von der Seemannsschule Travemünde gefertigt. Wir danken sehr für diese Unterstützung.
