• Leuchtturm des Nordens 2015 für Benediktiner im Kloster Nütschau

    Leuchtturm des Nordens 2015 geht an das Benediktiner-Kloster Nütschau

    Am Rande der Tagung "Kirchenasyl in Schleswig-Holstein" wurde der Preis des Flüchtlingsrates für herausragendes Engagement in der Flüchtlingshilfe, der Leuchtturm des Nordens 2015, an die Brüdergemeinschaft des Klosters Nütschau vergeben.

    Zu einer Fachtagung zu „Kirchenasyl  in Schleswig-Holstein“ hatte am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, die Brüdergemeinschaft des Klosters Nütschau und der Landesflüchtlingsrat nach Travenbrück eingeladen.  Knapp 50 TeilnehmerInnen konnten sich über die sich aktuell verändernde Asyl- und Aufenthaltsrechtslage kundig machen und über Erfahrungen des Kirchenasyls austauschen.

    70 Kirchenasyle hätten bisher in Schleswig-Holstein stattgefunden, erklärte die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, Dietlind Jiochims. Die Tagung kam zu dem Ergebnis, dass die derzeitige Flüchtlingspolitik, die in erster Linie auf Reduzierung der Asylanerkennungsquoten und auf Aufenthaltsbeendigung orientiert sowie je nach Herkunftsland gute oder schlechte Bleibeperspektiven gewährt, absehbar zu noch mehr Nachfragen nach Kirchenasyl führen wird.

    Am Rande dieser Tagung wurde der Preis für herausragendes Engagement in der Flüchtlingshilfe, der Leuchtturm des Nordens 2015, an die Brüdergemeinschaft des Klosters Nütschau vergeben. Würdigen möchte der Flüchtlingsrat mit dieser, seit 11 Jahren einmal jährlich vergebenen undotierten Ehrung die  bedingungslose Solidarität, mit der die Benediktiner in Nütschau von Abschiebung bedrohten Flüchtlingen unter ihrem Dach Asyl einräumen.

    Brigitta Oehmichen, Psychotherapeutin aus Lübeck und für ihr Engagement für traumatisierte Flüchtlinge im vergangenen Jahr mit dem Leuchtturm des Nordens ausgezeichnet, hielt die Laudatio. Frau Oehmichen machte aufmerksam auf die insgesamt 14 betroffenen Flüchtlinge, die seit Beginn 2013 im Kloster Aufnahme gefunden hatten. Bis auf einen Kirchenasylfall, der noch andauert, handete es sich bei allen anderen um von Rücküberstellung in Dublin-Vertragsstaaten bedrohte Menschen. In Ungarn, Bulgarien, Italien oder Norwegen hätte ihnen im besten Fall Inhaftierung, soziales Elend als Obdachlose und im schlimmsten die Kettenabschiebung in ihr Herkunftsland gedroht. Flüchtlingen aus Afghanistan, Belutschistan, Sudan oder Syrien hat die Brüdergemeinschaft in Nütschau so erfolgreich – d.h. regelmäßig mit dem Ergebnis abgewendeter Abschiebungsgefahr – unterstützt.

    „Unser Kloster ist 1951 insbesondere mit Blick auf die Bedarfe der damaligen Flüchtlinge aus dem Osten gegründet worden“, verweist Bruder Benedikt auf die Tradition des Klosters und erklärt zu seiner und der Motivation seiner Mitbrüder: „Unser Engagement für  Schutzsuchende ist gelebtes Christentum. Nicht mehr und nicht weniger.“

    Die Flüchtlings- und Menschenrechtsbeauftragte der Ev. Luth. Landeskirche in Norddeutschland, Pastorin Dietlind Jochims, verlaß während der Preisverleihung ein Initiates file downloadGrußwort ihrer Vorgängerin im Amt, Pastorin Fanny Dethloff, in dem diese ihren Dank ausdrückt: "Solch heilige Orte, Stätten des Friedens und der Heilung von Unrecht, braucht es mehr. Danke, dass es euch gibt."

    „Die Auszeichnung der Brüdergemeinschaft des Klosters Nütschau geschieht auch stellvertretend für all diejenigen, die sich anderenorts in Kirchenkreisen und Gemeinden für von Aufenthaltsbeendigung bedrohte und rückkehrgefährdete Flüchtlinge engagieren“, erklärt Martin Link, Geschäftsführer im Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Beim Kirchenasyl gehe es mitnichten darum, rechtsfreie Räume zu schaffen. Ganz im Gegenteil gäbe das Kirchenasyl allen Beteiligten in einem vermeintlich abgeschlossenen Fall noch einmal Gelegenheit zum Innehalten, zur Überprüfung und ggf. zur Neubewertung humanitärer Lagen. „Kirchenasyl gewährleistet, dass dem Rechtssaat und dem hohen Verfassungsgut des Asyls vollständig Genüge getan werden kann. Es verhindert, dass Betroffene  Opfer möglicher Folgen negativer Asylentscheidungen werden“, zeigt sich Link überzeugt.

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