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    14.02.2014

    Segeberg: Bestintegrierte Familie soll abgeschoben werden

    Ein erster Abschiebungsversuch musste quasi auf der Gangway ins Flugzeug abgebrochen werden, weil das Verwaltungsgericht in Schleswig intervenierte. Die Härtefallkommission berät am 8. April.

    Am 31. Januar stand der – nach Aussage anwesender Nachbarn sich bei der ganzen Aktion rüde gebährende – Vertreter der Ausländerbehörde Segeberg, sekundiert von einem Arzt, einem Vertreter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten und 13 Polizisten zu sehrfrühmorgendlicher Zeit vor der Wohnungstür der Familie Hakopjan in Nahe. Dem Verlauten der empörten Nachbarn nach wurden die Kinder aus den Betten gerissen, Frau Hakopjan eine Tablette verabreicht, die sie völlig aus dem Tritt brachte, Herr Hakopjan in Handschellen gelegt und die ganze Familie nach Hamburg zur Abschiebung auf den Flughafen verfrachtet. Doch der vom Pastor der Gemeinde und aufmerksamen Nachbarn alarmierte Rechtsanwalt der Familie hatte mit einem Eilantrag auf Aussetzung der Abschiebung Erfolg und die Maßnahme musste aufgrund einer Intervention des Verwaltungsgerichts Schleswig abgebrochen werden.

    Leitet Herunterladen der Datei ein

    Inzwischen formiert sich in Nahe, Bad Segeberg und Norderstedt der Widerstand gegen das als restriktiv und rechtlich unnötig empfundene Verwaltungshandeln der Segeberger Behörde. Für die Familie Hakopjan sei Deutschland ihre Heimat und die Familie sei ein Musterbeispiel dafür, wie Integration laufen sollte.

    Leitet Herunterladen der Datei einFraktionen verschiedener Parteien im Segeberger Kreistag, der Gemeindebeirat Nahe, Schulen, Sportvereine, die Kirchengemeinde Nahe, der Landeszuwanderungsbeauftragte, die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein und zahlreiche über das Vorgehen der Ausländerbehörde empörte Menschen haben ihren Protest öffentlich gemacht.

    EineÖffnet externen Link in neuem Fenster open-Petition im Internet, die ein Bleiberecht für Familie  Hakopjan einfordert,  haben bis dato schon fast 9.000 Personen – davon allein 3.000 aus dem Kreis Segeberg – unterzeichnet. Öffnet externen Link in neuem FensterWeitere UnterzeichnerInnen sind gesucht!

    Bei einer Leitet Herunterladen der Datei einDemonstration zur Segeberger Kreisverwaltung am 13.2.2014 kamen 300 Personen zusammen.Leitet Herunterladen der Datei ein Redebeiträge nahmen engagiert für einen Verbleib der Familie in Deutschland Stellung. Bei der Kundgebung vor dem Kreishaus stellte sich Landrätin Hartwig – Dienstvorgesetzte der befassten Mitarbeiter der Ausländerbehörde – der Diskussion mit den DemonstrantInnen und hatte es reichlich schwer gegenüber den empörten Bürgerinnen und Bürgern – und nicht zuletzt den zahlreich erschienenen Freundeskreisen, MitschülerInnen und SportkamaradInnen der Kinder der betroffenen Familie – zu begründen, warum die aufenthaltsbeendenden Maßnahmen angeblich unausweichlich waren.Die inzwischen auch im Internet veröffentlichte Leitet Herunterladen der Datei einStellungnahme der Kreisverwaltung bleibt formalistisch und von positiver Ermessensfantasie vollständig unbelastet.

    Am 18. Februar berichtet Öffnet externen Link in neuem FensterPanorama auf N3 über den Fall der Familie Hokopjan aus Nahe: Nachzusehen in der N3-Mediathek:  www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_3/media/panoramadrei1153.html  ab Min. 19:36 (Stand 19.2.2014)

    Jetzt hoffen Familie Hakopjan und ihre UnterstützerInnen auf die Entscheidung der schleswig-holsteinischen Öffnet internen Link im aktuellen FensterHärtefallkommission, die am 8. April zu dem inzwischen vom Anwalt der Familie eingereichten Ersuchen auf Bleiberecht tagen wird (Letzte Meldung: Öffnet externen Link in neuem FensterPE vom 10.4.2014).

    Hintergrund:

    Die in der Gemeinde Nahe im Kreis Segeberg seit Jahren beheimatete und gut integrierte Familie Hakopjan aus Armenien ist formal ausreisepflichtig. Doch die Familie lebt seit 13 Jahren in Deutschland   (davon 7 Jahre in Itzstedt und seit 5 Jahren in Nahe). Alle drei Söhne wurden in Deutschland geboren. Das jüngste Kind, Roman besucht hier in Nahe die 1. Klasse und die beiden älteren Jungs Karen (Klasse 5) und Erik (Klasse 6) besuchen das Lise-Meintner Gymnasium in Norderstedt. 

    Der Vater war bis vor vier Jahren als Koch in Itzstedt berufstätig. Irgendwann wurde ihm quasi von heute auf morgen die Arbeitserlaubnis entzogen. Deshalb ist er derzeit ohne Beschäftigung. Der Eigentümer der Gastronomie würde den Vater sehr gern wieder als Koch einstellen. Das Duldungsrecht der Familie wurde seither monatlich verlängert. Alle drei Kinder werden von den Eltern intensiv gefördert, um eine gute Schulbildung zu erhalten. Die Kinder sind im Sportverein aktiv und einem Sohn wird sogar der Musikunterricht ermöglicht. Nach Ansicht der Nachbarn und UnterstützerInnen in Nahe und Bad Segeberg handelt es sich im Fall der Familie Hakopjan um eine Integrationsgeschichte mit Vorbildfunktion. Alle drei Kinder können nicht in Armenisch kommunizieren - eine Abschiebung in ein Land, dessen Sprache die Betroffenen nicht beherrschen, ist aus Sicht der zahlreichen UnterstützerInnen der Familie unmenschlich.

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