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    16.01.2015

    Dublin-Flüchtlinge in Schleswig-Holstein

    Die bundesweite Kampagne "WIR TRETEN EIN! Für Flüchtlingsschutz. Gegen Dublin-III" will Aufmerksamkeit für eine besonders schutzlose Gruppe unter den hierzulande Asyl Suchenden schaffen.

    Jede Woche präsentieren wir auf dieser Seite die Geschichte von Flüchtlingen, die nach Schleswig-Holstein gekommen sind, denen hier aber mit Verweis auf die europäische Dublin-Verordnung kein Asyl zugestanden werden soll.

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    Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein und die anderen UnterzeichnerInnen dieser Kampagne treten ein für Menschen, die jahrelange Fluchtodysseen hinter sich haben, die nie ankommen durften und immer wieder wie Stückgut zwischen den EU-Staaten hin- und hergeschoben werden. Die Kampagne fordert ein Ende der Abschiebungen in Elend und Hoffnungslosigkeit und den Selbsteintritt der Bundesrepublik in ein Asylverfahren. Die Kampagne beklagt die europäische Verantwortungslosigkeit der Dublin-III-Verordnung und ruft dazu auf, Flüchtlinge aktiv zu schützen.

    Regelmäßig präsentieren wir auf dieser Seite die Geschichte von Flüchtlingen, die nach Schleswig-Holstein gekommen sind, denen hier aber mit Verweis auf die europäische Dublin-Verordnung kein Asyl zugestanden werden soll.

    Zum Beispiel: Iyad

    Iyad (Name geändert) ist mit 13 Jahren aufgebrochen. Seine Eltern trieb die Angst vor seiner Zwangsrekrutierung durch Aufständische. Sie schickten ihn auf den Fluchtweg von Afghanistan nach Norwegen. Iyad war schon 9 Jahre unterwegs, als er in Schleswig-Holstein ankam. Seine Odyssee führte ihn durch den Iran, die Türkei, Bulgarien, Rumänien, die Slowakei, Polen und Deutschland bis nach Norwegen. Nirgends wurde sein Asylbegehren gewürdigt. Fünfmal wurde er stattdessen inhaftiert, in Norwegen mit umgehender Abschiebung nach Afghanistan bedroht. Nach Schleswig-Holstein entkommen, kam er auch hier ins Gefängnis.

    Im Rendsburger Abschiebungsgefängnis traf er ein Mitglied des Flüchtlingsrates. Sie hat seine Geschichte angehört, hat einen Rechtsanwalt und einen Arzt konsultiert und eine Haftbeschwerde auf den Weg gebracht. Iyad kam aus gesundheitlichen Gründen frei. Das Martyrium des Fluchtwegs hat in seiner Psyche tiefe Spuren hinterlassen. In der Fachklinik fand Iyad gute Aufnahme und Therapie. Flüchtlingsrat und Diakonie haben die Härtefallkommission des Landes angerufen und für ihn ein Asylverfahren durchgesetzt. Seine Aussichten zu bleiben, sind gut.

    In Schleswig-Holstein hat die Landesregierung zwar die Abschiebungshaftanstalt in Rendsburg inzwischen geschlossen. Doch auch künftig werden durch Europa irrende Flüchtlinge in Schleswig-Holstein abgefangen und mit Abschiebung bedroht. Haftanstalten sind auch in anderen Bundesländern verfügbar.

     

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